Freitag, 29. August 2008 12:53
Welche Schadstoffe gelangen durch die Müllverbrennung in die Umwelt?
Zunächst muß ein häufig anzutreffender Irrtum ausgeräumt werden: nämlich der, daß Müll verschwindet, wenn er verbrannt wird. Tatsächlich kann Materie überhaupt nicht zerstört werden, auch nicht durch das Feuer - sie ändert lediglich ihre Form und Zusammensetzung. Schadstoffe, die durch die Müllverbrennung in die Umwelt gelangen, sind ein Spiegelbild unserer Konsumkultur, die beinahe das gesamte Periodensytem und eine Unzahl chemischer Verbindungen umfaßt. Aber schon jeder Chemiestudent lernt heute, daß sich erst durch die Verbrennung viele noch weit giftigere Schadstoffe bilden. Dabei geht es um nicht nur um Schwer- und Halbmetalle wie Blei, Cadmium, Quecksilber, Arsen, Chrom, Kobalt, Nickel und andererseits hochtoxische Dioxine (Sevesogifte), polychlorierte Biphenyle (PCBs), polychlorierte Naphtaline (PCN) - aber auch um krebserregende unverbrannte Kohlenstoff - oder aromatische Amine- bzw. Nitroverbindungen. Vieles davon wird an Feinstaub gebunden und in Form feinster lungengängiger Teilchen zusammen mit den Verbrennungsgasen ausgetragen. Mein Chemikerkollege Prof. Michael Braungart vom Hamburger EPEA-Institut und ich, wir sind davon überzeugt, daß dort, wo massenweise Müll verbrannt wird, auch die Hauptursache für die hohen Feinstaubwerte liegen.
Zu den gennannten wirklich sehr langlebigen Umweltgiften kommen noch die klassischen Verbrennungsprodukte wie Stickoxide, Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid, Salzsäure und Ammoniak in relativ hoher Tonnage. Faktum ist auch: nur max. 12 Schadstoffe werden erfasst und gemessen - tatsächlich ist der während der Verbrennung entstehende Cocktail mit geschätzten 60.000 chemischen Verbindungen um einiges reichhaltiger.
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