Seite auswählen

HOM01Am 9.September 2014 - also am Beginn des Schuljahres 2014/2015 - unternimmt die Volksschule Bad Blumau in Begleitung des Bürgermeisters der Gemeinde Bad Blumau eine Wallfahrt nach Bad Waltersdorf und kündigt dazu auf ihrer Homepage an: „Anlässlich der bevorstehenden Pensionierung des Herrn Bürgermeisters werden wir mit ihm nach Bad Waltersdorf fahren und in der Kirche einen Dank-Gottesdienst feiern.“

Im Anschlag an der Volksschule „Informationen für die erste Schulwoche“ steht zu lesen: „Am Dienstag um 10.00 Uhr findet in der Pfarrkirche Bad Waltersdorf eine Dankes-Wallfahrt für unseren Herrn Bürgermeister statt. Ich (Volksschuldirektorin  Erna Scharf) möchte Sie liebe Eltern herzlich zu diesem Dankgottesdienst einladen.“

HOM03Kinder, denen einerseits der Verfassungsgesetzgeber zugesteht, dass bei allen sie betreffenden Maßnahmen öffentlicher und privater Einrichtungen ihr Wohl eine vorrangige Erwägung sein muss, die nach dem Willen des Gesetzgebers unter dem besonderen Schutz der Gesetze stehen, die andererseits der Schulpflicht unterworfen sind, die kaum bürgerliche und - im Volksschulalter - schon gar keine politischen Rechte haben, sind also gezwungen, an einem Schulgottesdienst teilzunehmen, der offenkundig der peinlichen Beweihräucherung und Huldigung des seine Position aufgebenden Bürgermeisters der Gemeinde Bad Blumau Franz Handler dient.

Eltern von Schulkindern, aus Furcht vor Schikanen und Sanktionen durch die Schul- und/oder Gemeindeverwaltung gegen ihre Kinder oder sie selbst, haben sich wegen ihrer ablehnenden Haltung zu dieser Verquickung von Glauben und politischer Selbstdarstellung wegen der besonderen Umstände, die diesen Schulgottesdienst „begleiten“, an Bürgeraktiv-Plattform für Menschen- und Bürgerrechte gewandt.

HOM02Ihre Bedenken sind nachzuvollziehen: Aufgabe der Volksschule kann es nicht sein, vor allem nicht im Zusammenhang mit der Vermittlung religiöser Wertvorstellungen und deren Ausübung in Form von Gottesdiensten, politische Amtsträger in den Fokus von religiös geprägten Schulveranstaltungen zu stellen. Insbesondere dann nicht, wenn diesem politischen Amtsträger aufgrund seiner Tätigkeit (oder Untätigkeit) und aufgrund seines Verhaltens in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse - wie beispielsweise im Zusammenhang mit dem 27 Hektar Glashausprojekt in Bierbaum - zumindest Fragwürdigkeit beigemessen werden kann.

Dass sich unter diesen Umständen Schule und Kirche bereit und legitimiert finden, die kindliche Aufnahmebereitschaft für religiöse Werte und Glaubensinhalte mit einer „Dankes-Wallfahrt für unseren Bürgermeister“ und einem „Dankgottesdienst“ für ebendiesen als Ausdruck eines entgleisten Personenkultes zu infizieren, kann nicht kritiklos hingenommen werden. Die Arroganz des politischen Amtsträgers verschmilzt im aufgezeigten Fall mit der beschämenden Anbiederung der katholischen Kirche an ein System, in dem Kinder, abseits ihrer Bedürfnisse und der ihnen zustehenden Rechte, nur noch als Projektionsfläche für billiges Machtgehabe zur Verfügung stehen.
 
Um eine korrekte staatliche Erziehung und Bildung ihrer Kinder besorgte Eltern und Bürgeraktiv-Plattform für Menschen- und Bürgerrechte lehnen die dargestellte Form der „Zusammenarbeit“ von Staat und Kirche auf das Schärfste ab und erwarten, dass die angekündigte „Dankes-Wallfahrt für unseren Bürgermeister“ samt „Dankgottesdienst“ als Schulveranstaltung unterbleibt.

Die Kleine Zeitung berichtet:

Schülerwallfahrt für Bürgermeister regt auf