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Der Fürstenfelder Bürgermeister Werner Gutzwar verkündete bei der Bürgerversammlung der Stadtgemeinde Fürstenfeld („Woche“, Nr. 20, 18./19.Mai 2016), dass „es mit der S7 auch gelingen werde, einen Möbelmarkt nach Fürstenfeld zu bringen.“

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Ob der Bürgermeister Gutzwar nun noch immer unmöbliert wohnt und seinen Bedarf an Einrichtungsgegenständen - irgendwann oder nie - unbedingt aus dem Möbelhaus an der geplanten S7 decken möchte oder ob ihm bloß das handwerkliche Können der regionalen Tischlereibetriebe und Einrichtungshäuser mit ihren Arbeitskräften aus der Region nicht ausreicht: deutlicher wurde selten ausgesprochen, welche Effekte hochrangige Straßen wie die geplante Fürstenfelder Schnellstraße S7 haben.

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Die vernichtende Konkurrenzierung regionaler Handwerks- und Gewerbebetriebe, die durch ihre Standortgebundenheit den entlang von Autobahnen und Schnellstraßen wandernden Heuschrecken der Konzerne ausgeliefert sind, hat ihre Ursache in der Kurzsicht der Lokal- und Regionalpolitiker, die mit ihrem Beharren auf einer Mobilitätskonzeption aus den Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts längst zu den Wegbereitern der Ausdünnung der vielfältigen, für den sozialen Zusammenhalt wichtigen Strukturen (z.B. Nahversorgung, Einrichtungen der Verwaltung und der öffentlichen Sicherheit, Post, Gesundheitswesen) unter gleichzeitiger Bedrohung der Lebensgrundlagen in den ländlichen Bereichen geworden sind.

Die Fixierung der Politik auf die geplante Fürstenfelder Schnellstraße S7 hat den Charakter einer anachronistischen Seifenblase angenommen und bestätigt angesichts konkreter Beispiele nur die mangelnde Gestaltungskraft in der Region wirkender PolitikerInnen: Etwa 20 Kilometer östlich von Fürstenfeld - und damit etwa 30 Kilometer von der Südautobahn A2 entfernt - arbeiten seit dem Jahre 1992 in St. Gotthard weit über tausend Beschäftigte in einer Produktionsstätte der Automobilindustrie und seit dem Jahre 1997 im Bussinesspark Heiligenkreuz im Werk der Lenzing Fibers GmbH über hundert Beschäftigte.

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Ohne Autobahn- oder Schnellstraßenanschluss. Und wie Bernhard Zauner - Geschäftsführer des Lenzing-Werkes und zugleich Vizepräsident der Industriellenvereinigung Burgenland - festhält, mit den vielen Vorteilen*, die der Bahntransport bietet. Auch die 35 High-Tech-Jobs der Messphysik in Fürstenfeld entstanden nicht an einer Autobahn, sondern nicht einmal 500 Meter von der seit über einem Jahrhundert bestehenden Eisenbahn entfernt. Leider leiden PolitikerInnen aber auch Medienvertreter (Kleine Zeitung-Titel in der Print-Ausgabe vom 22.5.2016: Hochtechnologie an der künftigen S7) an kräftigem Realitätsverlust, wenn es um die Bewahrung des „Autobahnmythos“ aus der Propaganda längst vergangener Zeiten geht.

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Denn die Bürgerinnen und Bürger haben sich längst - wie die Ergebnisse der Volksbefragungen in den von der geplanten S7 betroffenen Gemeinden und Ortschaften nahelegen - vom wenig verheißungsvollen Schein rückwärtsgewandter Verkehrsmodelle verabschiedet und beharren auf einer Stärkung einer sozial und ökologisch vertretbaren Mobilität in der Region zwischen Riegersdorf und Heiligenkreuz - ohne die geplante Fürstenfelder Schnellstraße S7 und ohne ein Möbelhaus für den Fürstenfelder Bürgermeister Werner Gutzwar.

*The required pulp is transported to Heiligenkreuz by rail. “This has many advantages for us. If the raw material was transported by road, we would have to unload the goods much faster, as trucks cost a lot of money, even during dwell times“, explains Zauner, who has moved with his family to Southern Burgenland.